Geschichte

Spielmannsmusik im Wandel der  Zeit

Von Wahrenholzer Spielleuten

 

Spielmannsmusik im Wandel der Zeit
 
Schon aus vorchristlicher Zeit gibt es Berichte  über den Gebrauch von
Trommeln und Pfeifen. Trommeln dienten zu allen Zeiten als
Reizinstrumente zum Tanz, sowie als Instrumente zur Zeichen- und
Signalgebung über längere Strecken. Ihr Aufgabengebiet umfasste ferner die
Befehlsgebung und  diente als Begleitinstrument für Befehle, zum Wecken, Alarm,
Tommeln, Zapfenstreich usw.. Auch wurde die Trommel als psychisches Kampfmittel -
als  furchterregendes Instrument gegen Feinde - eingesetzt. Die Trommel hat
verschiedene technische Entwicklungen über einfellige und zweifellige, hölzerne  und
metallene Ausführungen genommen.
Der Gebrauch von Flöten ist nicht  weniger alt. Die Trommel lieferte den Rhythmus, die
Querflöte die Melodie. Die Trompete oder Fanfare kam erst später zu den Trommlern
und Pfeifern hinzu. Ein  Zusammenspiel von Trompetern, Trommlern und Pfeifern gab
es wegen der Kostspieligkeit nur selten, wenn überhaupt, dann in Friedenszeiten zu
prunkvollen Veranstaltungen an Fürstenhöfen und bei hochgestellten Persönlichkeiten.
Bei derartigen Anlässen fanden später auch das Horn und die  Fanfare wachsende
Begeisterung.
Eine Trommel und eine Pfeife bildeten  übrigens ein "Spil". Es war besonders im
15. Jahrhundert bei den Landsknechten  ausgeprägt. Es begleitete dieselben und war
wichtigstes Instrument zur Befehlsübermittlung und Zeichengebung. Bei langen Märschen
diente es zur  Aufmunterung und Zerstreuung der Soldaten. Gleichschritt in unserem
heutigen Sinne gab es jedoch, bedingt durch die damaligen Straßenverhältnisse, noch
nicht. Bei späteren festlichen Veranstaltungen und Feldzügen gab es die  Zweiteilung
der Musik. Das Zusammenspiel von Trommeln und Pfeifen teilte man den Fußsoldaten,
das von Trompeten, Pauken und Fanfaren den berittenen Soldaten zu.
 
Mit Einführung der stehenden Heere im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus die
Soldatenmusik, denn durch die Aufstellungder Kavallerie reichten Trommeln und Pfeifen
für die Befehlsübermittlung nicht mehr aus. Hier fand nun  die Trompete ihren wichtigen
Einsatz als Signal- und Befehlsinstrument, da sie  für die Reiter auch über größere
Entfernungen zu hören war. In dieser Zeit  entstanden die ersten, heute noch bekannten
Märsche. Als Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der große Exerziermeister Preußens zur
Zeit des Soldatenkönigs  Friedrich Wilhelm I., verfügte, dass 'jeder Kerl mit dem anderen
Tritt zu halten  habe', war das ein weiterer Aufwind für die Spielleute, wie sie nun genannt
wurden, weil sie zu besonderen Anlässen die Spitze von Einheiten bildeten und  als
erste Spielmannszüge auch schon von einem Tambourmajor geführt wurden. Während
dieser Zeit wurden bereits die Spielstücke der Trommler und Pfeifer  reglementiert und
aufgezeichnet. Das 18. Jahrhundert wurde in der  Musikgeschichte zum Jahrhundert der
Flöte. Niemals fanden Spielleute eine solche Bedeutung und Verherrlichung. Alle großen
Musiker jener Zeit schrieben Flötenkonzerte und Sonaten.
 
Als nach dem Revolutionsjahr 1848 überall in  Deutschland Turnvereine und Feuerwehren
in Leben gerufen wurden, war die Spielmannsmusik bald kein Vorrecht des Militärs mehr.
überall im zivilen Bereich wurden Musikgruppen aufgestellt. Dieser Trend verstärkte sich
noch 1871 in der  so genannten Gründerzeit. Die Entwicklung der militärischen und zivilen
Spielmannsmusik lief von nun an parallel. Auch hat man, besonders nach 1945,
Spielmannszüge mit Fanfaren-, Blasmusik- oder Hörnergruppen  zusammengefasst.
Heute darf wohl mit Recht gesagt werden, dass die  Spielmannsmusik mit ihrer einfachen,
schönen und klaren Musikalität nach wie vor  begeisterte Freunde hat. In ihr vereinigen
sich Fortschritt und Tradition der Musik. Sie ist eben das, was sie immer war, nämlich
Volksmusik im wahrsten Sinne es Wortes. (aus der Festschrift zum 15. Bezirkswettstreit
der  Spielmanns-, Fanfaren- und Hörnerzüge am 1. Mai 1981 in Wahrenholz)
 
1967 in  Schützenuniform 1990 in eigener Uniform
1990 wechselte der Spielmannszug vom Turnverein  Concordia zur Schützengesellschaft Wahrenholz von 1631 e.V., zu der er auch heute noch gehört.
Die Auftritte wurden immer mehr. Der Spielmannszug genoss auch
außerhalb von Wahrenholz gebührende Achtung.
Ab 1969 durften auch Mädchen im Spielmannszug mitspielen.
Anlässlich des 15. Bezirkswettstreit der Spielmanns-, Fanfaren- und
Hörnerzüge, der in Wahrenholz  stattfand, wurde dieses Foto aufgenommen.
 
Von den Wahrenholzer Spielleuten
 
Auch in Wahrenholz gab es schon früher Spielleute, die Freude an dieser mitreißenden Musik fanden. Dieser Spielmannszuggeist hat sich in Wahrenholz nicht nur erhalten, sondern stetig neue Freunde gefunden. Einst war es der Trommler, ein aktiv gedienter Spielmann, der unserer Schützen- gesellschaft lange Jahre voranzog. Das genaue Gründungsjahr des Spielmannszuges ist unbekannt. In den Jahren 1933/34 bestand  in Wahrenholz ein Spielmannszug, der weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt war. In den Jahren 1948/49 fanden sich erneut einige Jugendliche, die  unter der Leitung alter Spielleute den Spielmannszug wieder zum Leben erweckten. Nach vielen Anfangsschwierigkeiten wurde dieser dann 1952/53 vom Turnverein  Concordia Wahrenholz übernommen. Hierdurch wuchs der Zug zu einer festen Vereinigung zusammen, die sich in spielerischer Hinsicht ständig fortentwickelte. Im Spätherbst 1962 wurde mit regelmäßigem üben angefangen. Es  wurde "aus dem Hut" gespielt. Geübt wurde nach Grifftabelle und  Vorsingen. 1964 sah die Besetzung so aus.